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Selten genug gibt es einen von Grund auf neuen Aston Martin vorzustellen, weshalb der Inszenierung der Premiere eine besondere Bedeutung zukommt. Die wurde beim Vantage, der Dienstagabend in London seine Publikumspremiere erlebte, dadurch gewährleistet, dass schon im Verlaufe des Tages verschiedene Onlinemedien Bilder und Informationen über das neue Coupé preisgegeben hatten. Was sie nicht wussten: Mit welch satter Portion an Selbstbewusstsein die Marke in die nächste Rennsportsaison und die Präsentation künftiger Modelle startet.

Der jüngst errungene Sieg im Abschlussrennen der Langstrecken-Weltmeisterschaft in der GTE-Pro-Klasse hat den Anspruch noch einmal untermauert, auch künftig vorne mitfahren zu wollen. Der Chef des traditionsreichen britischen Sportwagenunternehmens, Dr. Andy Palmer, fasste es bei der Enthüllung der Straßenversion des neuen Vantage in die einfache Formel: „Porsche, Ferrari, tretet beiseite, Aston Martin ist zurück!“

Der 4,47 Meter lange Zweisitzer wird von einem vier Liter großen V8-Biturbo-Motor angetrieben, der 375 kW / 510 PS leistet. Das Aggregat ist in einschlägigen Kreisen durchaus bekannt, denn es stammt von der Daimler-Tochter AMG und verrichtet zum Beispiel im Coupé AMG GT seinen Dienst. 685 Newtonmeter Drehmoment ab 2000 Umdrehungen werden dem Straßen-Vantage zu einer standesgemäßen Beschleunigung verhelfen. Als Höchstgeschwindigkeit gibt der Hersteller 314 km/h an, was im Herkunftsland exakt 195 Meilen in der Stunde entspricht.

Die Karosserie des rund zwei Meter breiten und nur 1,27 Meter hohen Boliden zeigt aber auch, wie schwierig es ist, sich unter dem Diktat von Zielgrößen wie optimalem Luftwiderstand der Uniformität zu entziehen. Die typische Form des Frontgrills ist zwar formal geometrisch erhalten, jedoch so tief herunter an die Fahrbahn gerückt, dass er als prägendes Element eines Aston-Martin-Gesichts kaum noch taugt. Der Innenraum, der auch farbliche Akzente als Wiederholung des Außenlacks nicht außer Acht lässt, nimmt im Hinblick auf das etwaige Interesse eines jüngeren Publikums Strukturen auf, die an Spielekonsolen erinnern könnten. Durchaus typisch für die Marke ist der Verzicht auf einen traditionellen Ganghebel. Die Funktionen des Acht-Gang-Getriebes werden per Tasten gesteuert, die kranzartig um das Bedienfeld und die Handauflage der Mittelkonsole drapiert sind.

Das Heck mündet in einem frechen Bürzel und kann deshalb auf einen extra Spoiler zur Erhöhung des Anpressdrucks verzichten. Das kann die Rennversion natürlich nicht, die es im nächsten Jahr, wenn der Klassensieg in Le Mans möglichst wiederholt werden soll, außer mit Ferrari und Porsche, auch mit Ford und als Neuling BMW zu tun bekommen wird. Mindestens bis 2021 will Aston Martin sein Engagement in der Langstrecken-Weltmeisterschaft aktiv halten, noch fünf weitere neue Modelle sollen in den kommenden Jahren vorgestellt werden. Eine Version des Vantage mit V12-Motor gilt als ausgemachte Sache.

Selbstbewusstsein wird der britischen Marke auch bei der Preisgestaltung zugeschrieben. Der Vantage soll ab Mai 2018 zum Basispreis von 154 000 Euro in Deutschland erhältlich sein. Vergleicht man dies mit den Kosten für einheimische Sportwagen ähnlichen Leistungsniveaus, könnte man dies sogar als Lockangebot definieren. (amp/afb)