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Hilden, 15.05.2026 (PresseBox) – Die regulatorischen Entwicklungen rund um die PFAS-Beschränkung auf europäischer Ebene sowie die nationale Umsetzung der Industrieemissionsrichtlinie (IED) bleiben zentrale Herausforderungen für die Oberflächentechnik. Vor diesem Hintergrund hat der ZVO in der vergangenen Woche gezielt den politischen Dialog auf Bundesebene intensiviert.

Im Gespräch mit Tilman Kuban, Bundestagsabgeordneter und europapolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, standen insbesondere die industriepolitischen Auswirkungen eines möglichen PFAS-Verbots im Mittelpunkt. Der ZVO machte deutlich, dass eine undifferenzierte Regulierung der PFAS-Stoffgruppe erhebliche Folgen für die industrielle Basis in Deutschland und Europa hätte. In der Oberflächentechnik sind PFAS in zahlreichen Anwendungen aktuell nicht substituierbar, insbesondere in komplexen Prozessketten der funktionalen Beschichtung. Ein pauschales Verbot würde daher nicht nur einzelne Anwendungen betreffen, sondern hätte systemische Auswirkungen auf gesamte Wertschöpfungsketten – von der Automobilindustrie über den Maschinen- und Anlagenbau bis hin zur Verteidigungsindustrie. Kuban zeigte Verständnis für diese Zusammenhänge und sicherte zu, sich auch auf europäischer Ebene für eine differenzierte und wirtschaftsnahe Regulierung einzusetzen.

Parallel dazu adressierte der ZVO die aktuelle nationale Umsetzung der Industrieemissionsrichtlinie. Hier wurde erneut die klare Forderung nach einer 1:1-Umsetzung ohne zusätzliche nationale Verschärfungen („Gold-Plating“) formuliert. Eine Übererfüllung europäischer Vorgaben würde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie weiter schwächen, ohne einen entsprechenden Mehrwert für Umwelt- oder Gesundheitsschutz zu generieren.

Im darauffolgenden Termin tauschte sich der ZVO gemeinsam mit seinem Partnerverband VECCO,  vertreten durch den Vorsitzenden Matthias Enseling, mit dem Bundesministerium für Umwelt- und Klimaschutz aus. Auch hier stand die PFAS-Thematik im Zentrum. Besonders hervorgehoben wurde die enge Verzahnung von PFAS-Anwendungen mit Verchromungsprozessen. Diese technologische Kopplung macht deutlich, dass regulatorische Eingriffe in diesem Bereich weit über einzelne Stoffe hinausgehen und ganze industrielle Prozesse und Lieferketten betreffen. Ein generelles PFAS-Verbot würde daher nicht nur zu Produktionsverlagerungen führen, sondern auch erhebliche Risiken für die Versorgungssicherheit zentraler Industrien mit sich bringen. Die Vertreter des Ministeriums nahmen die vorgebrachten Argumente auf und unterstrichen, dass auch seitens der Bundesregierung eine ausgewogene Regulierung angestrebt wird. Ein generelles Verbot wird aktuell nicht verfolgt – im Einklang mit den Zielsetzungen des Koalitionsvertrags sowie der jüngst veröffentlichten Chemieagenda.

Die Gespräche zeigen, dass die industriepolitischen Argumente des ZVO zunehmend Gehör finden. Gleichzeitig bleibt der regulatorische Druck auf europäischer Ebene hoch. Für den ZVO ergibt sich daraus eine klare strategische Linie:

  • Konsequente Positionierung gegen pauschale Stoffverbote
  • Einsatz für differenzierte, anwendungsbezogene Regulierung
  • Verteidigung einer wettbewerbsfähigen industriellen Basis in Europa
  • Klare Ablehnung nationaler Alleingänge bei der Umsetzung europäischer Vorgaben

PFAS wird damit auch in den kommenden Monaten eines der zentralen Themen der politischen Arbeit des ZVO bleiben.